Außenhaltung für Kaninchen

Der Bewegungsdrang eines Kaninchens ist mit dem einer Katze gleichzusetzen.
Warum also werden Kaninchen in Käfige gesperrt, während es bei Katzen völlig normal ist, sie frei in der Wohnung laufen zu lassen?

Die Außenhaltung kann man wohl als die artgerechteste Form der Kaninchenhaltung bezeichnen. Allerdings ist Außenhaltung nicht gleich Außenhaltung. Es gibt einige wichtige Dinge, die beachtet werden müssen, damit die Kaninchen ein gesundes, glückliches Leben außerhalb unserer vier Wände führen können.

Kein Kaninchen verdient Einzelhaltung!

In freier Wildbahn leben Kaninchen in großen Gruppen und haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten.
Wie wir Menschen brauchen sie einen Artgenossen, um glücklich zu sein.Ein Mensch wird in Einzelhaft gesteckt, um ihn für eine schlimme Tat zu bestrafen. Was hat ein Kaninchen getan, dass man es bestrafen muss und in Einzelhaft steckt?

Gehege

Für zwei Kaninchen sollte das Gehege mindestens sechs Quadratmeter groß sein, denn es muss bedacht werden, dass die Tiere die ganze Zeit über – Tag und Nacht – in diesem Gehege verbringen müssen, weshalb man ihnen genügend Platz gönnen sollte. Sollen mehr als zwei Kaninchen gehalten werden, rechnet man für das dritte Tier nochmal drei Quadratmeter, für jedes weitere Tier zusätzliche zwei Quadratmeter zur vorhandenen Grundfläche dazu.

Kaninchen können problemlos ganzjährig draußen gehalten werden. Werden die Tiere im Sommer nach draußen gesetzt, passen sie sich, wenn es im Herbst kühler wird, den Temperaturen an, indem sie ein Winterfell ausbilden, das sie schön warm hält.

Bei der Wahl des Gehegestandortes ist es sehr wichtig, darauf zu achten, dass das Gehege nicht in der prallen Sonne steht. Bei großer Hitze können Kaninchen einen Hitzschlag erleiden (Kälte im Winter vertragen Kaninchen weitaus besser als große Hitze im Sommer)! Ideal ist es, wenn die Tiere sowohl schattige als auch sonnige Bereiche haben, so dass sie entscheiden können, wo sie sich aufhalten möchten. Ebenso ist darauf zu achten, dass das Gehege oder zumindest ein Teil des Geheges gegen Zugluft geschützt ist.

Außerdem sollte bei der einer Außenhaltung beachtet werden, dass die Tiere auch im Winter oder bei schlechtem Wetter versorgt und beobachtet werden müssen. Die genaue Beobachtung ist aber generell unerlässlich, damit eventuelle Krankheiten oder Verletzungen nicht übersehen werden.

Als Rückzugsort muss den Kaninchen eine wind- und wetterfeste Schutzhütte angeboten werden. Im Winter sollte diese mit viel Stroh und Heu ausgepolstert werden. Auch zusätzliche „kuschelige“ Ecken, z.B. mit Stroh und Heu gefüllte Toilettenschalen werden gern angenommen. Außerdem sollte im Winter darauf geachtet werden, dass das Wasser nicht dauerhaft einfriert, es sollte bei Bedarf gewechselt werden. Auch eingefrorenes Frischfutter sollte umgehend aus dem Gehege entfernt werden.

Als Bodenbelag für das Gehege bietet sich der natürliche Erdboden an, der den Kaninchen ermöglicht, ihrem Buddeltrieb nachzukommen. Allerdings muss auch die Erde ab und an mal gewechselt oder neu aufgeschüttet werden. Dabei ist zu beachten, dass die Erde ungedüngt und unbehandelt sein muss. Normale Blumenerde ist häufig mit Kunstdünger versetzt, der für Kaninchen giftig ist. Ungedüngte Erde kann man zum Beispiel in Kieswerken sehr günstig bekommen. Anstatt des Erdbodens kann man natürlich auch zu Terrassenplatten greifen und diese als Boden im Gehege verlegen. Immer wieder sieht man auch, dass handelsüblicher Rindenmulch als Einstreu verwendet wird. Hiervon ist jedoch abzuraten, da in Rindenmulch viele verschiedene Hölzer verarbeitet werden, die eventuell giftig für Kaninchen sein können. Außerdem ist Rindenmulch oft mit Pestiziden behandelt. Er schimmelt leicht und enthält Phenole und Gerbsäuren, die ebenfalls schädlich für Kaninchen sind.

Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt ist die richtige Absicherung des Geheges, damit weder Feinde des Kaninchens in das Gehege eindringen noch die Kaninchen aus dem Gehege entwischen können. Das Gehege muss von oben, unten und von den Seiten gesichert sein.

Als Draht für den Gehegebau eignet sich vierkantiger, punkgeschweißter, verzinkter Volierendraht mit einer Drahtstärke von mindestens 1,2 mm und einer Maschenweite von höchstens 19 mm. Von dem Sechskantdraht, der im Handel häufig als „Kaninchendraht“ angeboten wird, ist dringend abzuraten, da dieser nicht stark genug ist und u.U. von Fressfeinden oder dem Kaninchen selbst durchgebissen werden kann. Auch mit Kunststoff ummantelter Draht ist ungeeignet, da der Kunststoff gern angeknabbert wird und der Draht dann sehr schnell (durch)rostet.

Auch von oben muss das Gehege natürlich gesichert werden, da ansonsten Greifvögel und andere Räuber zu den Kaninchen gelangen können. Die Sicherung erfolgt entweder ebenfalls mit dem oben beschriebenen Volierendraht oder durch eine feste, lückenlose Dachkonstruktion. Häufig wird empfohlen, nur ein Netz über dem Gehege zu befestigen. Ein solches Netz bietet aber keinerlei Schutz gegenüber Mardern, Füchsen, Katzen oder anderen Fressfeinden.

Unerlässlich ist auch die Sicherung nach unten. Kaninchen buddeln gern und ausgiebig, so dass sie aus einem ungesicherten Gehege leicht entwischen können. Ebenso leicht können Fressfeinde in das Gehege gelangen. Für die Sicherung von unten gibt es mehrere Möglichkeiten:

    • Die einfachste Möglichkeit ist wohl das Verlegen von Steinplatten als Bodenbelag. Hierbei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Steine sehr schwer sind und nicht von den Kaninchen angehoben werden können. Es sollten an dieser Stelle die Kräfte und das Geschick, das ein Kaninchen besitzt, nicht unterschätzt werden. Die Steine müssen den kompletten Boden bedecken und mit der Gehegekonstruktion abschließen. Es dürfen keine größeren Lücken entstehen, was übrigens für die gesamte Gehegeabsicherung gilt. Man kann sagen, dass Öffnungen, durch die ein gekochtes Hühnerei oder eine flache Hand passen, auch groß genug für einen Marder sind.
    • Bei Erdboden als Gehegeuntergrund sollte man diesen ca. 40 – 50 cm tief ausheben. An den Seiten wird dann ein Fundament aus Beton gegossen. Waagerecht und mit dem Fundament lückenlos abschließend werden Terrassenplatten verlegt. Anstelle der Platten kann man auch den oben beschriebenen Volierendraht verwenden. Dieser wird dann in das Fundament eingelassen, so dass die Seiten und der Boden fest miteinander verbunden sind. Wer nicht mit Beton hantieren möchte, kann den Draht auch direkt mit den Gehegebalken verbinden, die am Boden liegen. Wichtig ist, wie schon erwähnt, dass keine Lücken entstehen.

Ist der Boden entsprechend gesichert, kann die Erde wieder aufgeschüttet werden.

Die Einrichtung im Gehege sollte abwechslungsreich und interessant gestaltet sein, damit keine Langeweile bei den Kaninchen aufkommt. Hier ist die eigene Kreativität gefragt. Als Einrichtungsgegenstände eignen sich zum Beispiel Korkröhren, ausgehöhlte Baumstämme, selbst gebaute Tunnel aus Holz oder Pflanzsteinen.

Wenn diese Punkte beachtet werden, steht einem glücklichen Kaninchenleben in Außenhaltung nichts mehr im Wege.

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